Die Entwicklung der Sanitätskolonnen, deren Aufstellung nach dem Kriege 1870/71 als eine notwendige Ergänzung des Heeressanitätswesens vorn Bayerischen Hilfsverein angeregt wurde, ging in der ersten Zeit nur langsam vor sich. Im Jahr 1887, als man sich auch in Erlangen mit dem Gedanken trug, eine Sanitätskolonne ins Leben zu rufen, bestanden seit einem Jahr derartige Kolonnen in Nürnberg, Fürth und Schwabach.
Bereits seit dem Jahre 1870 gab es die Erlanger Felddiakonie, eine Art Vorläuferin der Erlanger Sanitätskolonne, der sich auch der berühmte Philosoph Dr. Friedrich Nietzsche angeschlossen hatte.
Am 1. Oktober 1887 war es dann soweit. Die Erlanger Sanitätskolonne wurde von dem damaligen königlichen Stabsarzt a.D. Dr. Röhring und dem Zoologen und Leutnant Dr. Will ins Leben gerufen. Um diese Männer hatten sich weitere 10 Mitglieder des Soldaten- und Kriegerbundes Erlangen versammelt. Die ersten Jahre waren sehr schwer, da die kleine Gruppe derer, die sich den humanitären Aufgaben des Roten Kreuzes zuwandte, anfangs von der damaligen Bevölkerung aus "Unverstand" bespöttelt wurde. Erst nach mehreren Jahren ihrer vielfältigen Tätigkeit wurde sie als eine selbstverständliche Einrichtung empfunden. Zum 1. Kolonnenführer wurde Hermann Göhler, Färbermeister zu Erlangen gewählt. Unter seiner Führung und der ärztlichen Leitung von Dr. Christian Röhring und Dr. Will nahm das vorgenommene humanitäre Werk langsam Gestalt an.
Leider fehlen bis zum Jahre 1908 ausführliche Aufzeichnungen. So kann nur berichtet werden, daß der Färbermeister Göhler die Geschicke der Sanitätskolonne bis zum 18. August 1894 leitete. ihm folgte der Schneidermeister Michael Oldenburger; der bis zum 4. Januar 1900 Kolonnenführer war. Von ihm übernahm der Buchhalter Julius Blödel das Führungsamt und hatte es bis zum 5. April 1910 inne. Julius Blödel war es auch, der 52000,- Goldmark zusammentrug, die notwendig waren, das Anwesen in der Nürnberger Str. 31 und 31 ½ - heute steht dort das Kaufhaus Quelle - 1908 für die Zwecke des Roten Kreuzes zu erwerben. Damit hatte das Rote Kreuz eine eigene Bleibe mit entsprechenden Wach-, Unterrichts- und Lagerräumen. Man war nicht mehr wie in den vorangegangenen Jahren darauf angewiesen, die Unterrichte in Gasthäusern abzuhalten.
Schon seit dem Jahr 1893 waren durch die Sanitätskolonne Standplätze für Krankentragen eingerichtet worden, um die Bevölkerung rasch und schnell durch eine fachgerechte Erste-Hilfe-Leistung zu versorgen und zu der Universitätsklinik transportieren zu können. Die ersten Stellplätze waren in der Buckenhofer Str. 1 bei Schneidermeister Oldenburger, in der Nürnberger Str. 20 beim Schreinermeister Mothherr, in der Oberen Karlstraße im Gymnasium bei Herrn Westermayer und in der Engelstraße 17 in der Gastwirtschaft Hartmann. 1895 stellte dann die Universitätsklinik Krankentragen für Transporte zur Uniklinik zur Verfügung. Diese Standplätze wurden im Jahr 1901 erweitert durch den Standort in der Bayreuther Straße 20 bei Maurer Seubert Peter und in der Luitpoldstraße 1 bei Uhrmachermeister Johann Pawlouszkiewicz.
In dieser Zeit wurde die Stadt Erlangen in Bezirke eingeteilt. Jeder Stadtbezirk erhielt eine Telefonzentrale, die mit freiwilligen Helfern ständig besetzt war. Im Jahr 1910 hatte die Sanitätskolonne 41 aktive Mitglieder. Diese führten 357 Krankentransporte und 149 Hilfeleistungen durch. Die Kriegsgefahr zeichnete sich bereits ab. Neben den theoretischen Unterrichtsstunden im Sanitätsdienst nahmen in den Folgejahren Exerzier- und Improvisationsarbeiten zu. Die Sanitätsmänner wurden, soweit sie nicht für die Krankenpflege in der Heimat vorgesehen waren, militärverpflichtet.
Im November 1912 beschloß der Magistrat der Stadt Erlangen die Brückenzollfreiheit für die Sanitäter bei der Durchführung von Krankentransporten. Im Jahr 1915 spendete Frau Rupp, die Frau des damaligen Spinnereidirektors, der Sanitätskolonne Erlangen den ersten motorbetriebenen Krankenkraftwagen. Während des 1. Weltkrieges wurden 72 Mitglieder der Sanitätskolonne zum Heeresdienst, zum großen Teil zum Frontdienst, eingezogen. Davon sind 15 gefallen. 1922 wurde das Anwesen in der Nürnberger Straße 31 umgebaut, und eine neue Wagenhalle mit 6 Stellplätzen eingerichtet. Im gleichen Jahr fand vom 10. bis 14. August die 1. Reichsverbandstagung Deutscher Sanitätskolonnen und verwandter Männervereinigungen vom Roten Kreuz in Erlangen statt. Zu dieser Veranstaltung trafen Delegierte aus allen Teilen des "Reiches" in Erlangen ein. Es sollen damals über 5000 Teilnehmer gewesen sein. Verbunden mit der Tagung war eine, heute würde man sagen Industrieausstellung, über alle Artikel des Sanitätsbedarfes.
Am 23. August 1923 wurde durch die Kolonne ein Hilfszug in Büchenbach gegründet. Am 21. Oktober 1925 wurde das zweite Sanitätsauto gekauft. 2 Jahre später, am 17 März 1927 stellte die Sanitätskolonne das dritte Sanitätsauto in Erlangen in Dienst. Zu dieser Zeit verfügte die Kolonne bereits über 135 aktive und 2550 fördernde Mitglieder. Die Krankenfahrzeuge waren in diesem Jahr bereits 3209 mal im Dienst und führten Transporte bis zu 400 km im Umkreis durch. Es wurde festgelegt, daß die zahlreichen Transporte für die ärmere Bevölkerung zum Teil vollständig kostenlos ausgeführt werden.
1931 wurde ein vierter Krankentransport- und Rettungswagen (Mercedes Benz) in den Dienst gestellt. Es handelte sich dabei um einen Musterwagen des Erlanger Fabrikanten und aktiven Rotkreuz-Mannes, Ulrich Döller. Dieser neue Wagen war der erste in Deutschland, der über eine derart umfangreiche Ausrüstung verfügt. 1932 wurden erstmals von Mai bis Oktober in Heroldsberg jeden Sonn- und Feiertag Sanitätswachen gestellt. Am 18. Oktober wurde in Heroldsberg eine Sanitätsortsgruppe unter Leitung von Dr. Leukert und Herrn Müller gegründet. Im gleichen Jahr wurden für den Straßenhilfsdienst 51 Hilfs- und 75 Unfallmeldestellen eingerichtet.
Seit der politischen Machtübernahme durch die Nationalsozialisten hatte es auch innerhalb des Roten Kreuzes einige Veränderungen gegeben. Die Organisation des Roten Kreuzes wurde in ihrer Form aufgelöst. Sie wurde gleichgeschaltet und erhielt die Struktur der in der damaligen Zeit üblichen Organisationen und Einrichtungen. Das Rote Kreuz wurde zum notwendigen Bestandteil des Staates erklärt. Das Rote Kreuz erhielt eine "neue Disziplin".
Bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges veränderte sich in diesem Zusammenhang auch die Ausbildung der Mitglieder der Sanitätskolonne. Im Mittelpunkt der abzuhaltenden Übungen stand jetzt der Gas- und Luftschutz. Ab 1935 wurden erstmals durch den Bezirksarzt Dr. Franke, Kurse für Damen in Erster Hilfe, Kranken- und Säuglingspflege durchgeführt. In den Betrieben wurden Sanitätshelfer ausgebildet und ständig geschult.
1941 trafen die ersten Lazarettzüge mit verwundeten Soldaten in Erlangen ein. Es war Aufgabe, der für den Heimatdienst abgestellten Helferinnen und Helfer, die Züge zu entladen und die Verletzten in die Hilfslazarette zu bringen. Zu Hilfslazaretten waren in dieser Zeit die meisten Schulen in der Stadt Erlangen umgerüstet worden. Nachdem die Lazarettzüge nur eine kurze Verweildauer in Erlangen an der Rampe hatten, wurden die Verwundeten ausgeladen und neben den Gleisen unter der Betreuung der Rotkreuz-Schwestern abgestellt, bis alle durch die wenigen verbliebenen Einsatzfahrzeuge in die Hilfslazarette verbracht werden konnten. Nachdem nur vier Krankenwagen in Erlangen zur Verfügung standen, wurden von Erlanger Firmen Fahrzeuge, z.T. mit Fahrer, zur Verfügung gestellt. Für die Abwicklung der Einsätze zeichnete für die Erlanger Sanitätskolonne Elans Klaßmüller und für die Brucker Sanitätskolonne Jean Wittmann verantwortlich.
Gegen Ende des Krieges richtete Jean Wittmann im Felsenkeller in Bruck ein Notlazarett für die Brucker Bevölkerung ein. Die Amerikaner waren schon im Anmarsch auf Erlangen, als er mit der Meldung, sein Haus brenne, nach Hause geholt wurde. Noch in Rotkreuz-Uniform begab er sich auf den Heimweg. Dabei wurde er von den Amerikanern, die zwischenzeitlich bereits in Bruck einmarschiert waren, verhaftet. Sie hielten ihn wegen seiner Uniform als Kolonnenführer für einen höheren militärischen Führer Zwei Soldaten bewachten ihn in seiner "Haftzelle", die sich in einer Privatwohnung in Bruck befand. Einen Tag später wurde er, nachdem bewiesen werden konnte, daß er "nur" ein Rotkreuzführer sei, aus der Haft entlassen, blieb aber weiter unter Hausarrest.
Durch die Siegermächte wurde das Rote Kreuz verboten, Fahrzeuge, Ausrüstungen und das Haus beschlagnahmt, das Geld eingezogen. Die weitere Betätigung wurde unter Strafe gestellt. Trotzdem führten die Helferinnen und Helfer auf eigene Faust ihre Tätigkeit weiter. Das US-Hauptquartier duldete stillschweigend diese Aktivitäten. Am 9. Juli 1945 beauftragt Captain Lawrence Smith den evangelischen Bischof D. Theodor Heckel, das Direktorat der Erlanger Rot-Kreuz-Organisation zu übernehmen. Nach und nach wurden Material und Fahrzeuge dem Roten Kreuz wieder zur Verfügung gestellt. Mangels Treibstoff musste der Krankentransport mit Krankenwagen auf einen Umkreis von 25 km um die Stadt begrenzt werden, es sei denn, der zu Transportierende stellte den Treibstoff zur Verfügung gestellt, um Krankentransporte und die Fürsorge für kranke, alte und arme Menschen durchführen zu können. Eine nicht immer leichte Aufgabe, wenn man daran denkt, daß die Güter des täglichen Lebens, wenn überhaupt, nur schwer zu bekommen waren.
Innerhalb der Stadt Erlangen wurden Krankentransporte nur mit Krankenstühlen und fahrbaren Tragen durchgeführt. In der ersten Aufbauzeit war es wieder Hans Klaßmüller, der sich darum bemühte, die Helferschar zusammenzuführen, und er versuchte, alles wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Auf dem Exerzierplatz war ein Kriegsgefangenenlager eingerichtet. In Zusammenarbeit mit dem Evang. Hilfswerk Erlangen versorgten die Helfer des Roten Kreuzes die dort lebenden Menschen mit Lebensmitteln, die zum Teil von US-Streitkräften gestellt wurden. Ebenso wurde die Verteilung der Care-Pakete organisiert, um die am Ort herrschende Not zu lindern. In der amerikanischen Zone wurde mit Bekanntmachung vom 26.6.1947 das Bayerische Rote Kreuz als Landesverband mit dem Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts gegründet.
Von nun an gab es im Roten Kreuz als unterste Ebene den Kreisverband. Die Selbständigkeit der Sanitätskolonne wurde eingeschränkt. Das Deutsche Rote Kreuz als nationale Rotkreuz-Gesellschaft wurde erst 1951 von der Bundesregierung anerkannt.
Mit der Währungsreform am 20. Juni 1948 änderten sich viele Dinge grundlegend. Auch das Rote Kreuz war davon betroffen. Sein Wiederaufbau war erfolgreich abgeschlossen und es hatte sich eine tragfähige Basis entwickelt. Aber im Krankentransport und Rettungsdienst war die Lage katastrophal geworden. Die Delegierten der Landesversammlung des BRK in Regensburg am 3. April 1948 versuchten in einer Resolution, ihrer Besorgnis Ausdruck zu verleihen. Die Delegierten stellten fest, daß der Zusammenbruch des Krankentransportes in kurzer Zeit bevorstehe, wenn auf dem Gebiet der Neuzuteilung an Krankenkraftwagen und an der Bereifung keine grundlegende Änderung eintreffe. Über ein Drittel der vorhandenen Fahrzeuge in Bayern konnte wegen total abgefahrener oder geplatzter Reifen nicht mehr eingesetzt werden. Zudem stellte die Auswirkung der Währungsreform das Rote Kreuz vor nahezu unlösbare Probleme.
Die suchdienstliche Tätigkeit, zu der vor allem eine umfangreiche und zeitraubende Heimkehrerbefragung gehörte, wurde hauptsächlich von der Frauenbereitschaft durchgeführt. Die Helferinnen zogen mit Bildlisten vermißter Soldaten von Versammlungsort zu Versammlungsort. Diese intensive Arbeit des Landesnachforschungsdienstes war für die folgenden Jahrzehnte eine wichtige Aufgabe des Roten Kreuzes. Mit dem Beginn der 50er Jahre kam der große Aufschwung. 1951 konnte endlich daran gedacht werden, die alten Krankentransportfahrzeuge auszuwechseln und durch neue zu ersetzen.
Als erste Rotkreuz-Dienststelle in Bayern konnte das Erlanger Rote Kreuz seine Krankenkraftwagen mit UKW-Funksprechgeräten auszurüsten. Dies war nur dank der entgegenkommenden Aufgeschlossenheit des damaligen Oberbürgermeister M. Pöschke und des Leiters der Erlanger Stadtpolizei, Oberamtmann Voigt, möglich. Im Jahre 1953 konnte durch die systematische Aufbauarbeit der Kolonne Erlangen der Hilfszug Büchenbach und 1956 der ehemalige Zug Erlangen-Bruck zur selbständigen Kolonne erhoben werden. In den folgenden Jahren wurde der Krankentransport und der Rettungsdienst kontinuierlich ausgebaut und - den jeweiligen Zeiterfordernissen gerecht werdend - erweitert. Auch die Arbeit in der Breitenausbildung für die Bevölkerung in den verschiedensten Kursprogrammen wurde von den ehrenamtlichen Mitgliedern der Sanitätskolonnen eifrig betrieben. Die erfreuliche Aufwärtsentwicklung des Roten Kreuzes führte bereits Anfang der 60er Jahre zu den Überlegungen, das Rotkreuz-Haus in der Nürnberger Straße zu erweitern.
Die Stadt Erlangen plante in dieser Zeit, ein großes Einkaufszentrum am neuen Rathaus zu errichten. Um dies in die Tat umsetzen zu können, wurde auch das Grundstück des Roten Kreuzes benötigt. In langen Verhandlungen versuchten die beiden Interessenten, die Stadt und das BRK, ihre Vorstellungen realisieren zu können. Am 26.10 1966 verkaufte dann das Rote Kreuz an die Stadt Erlangen sein Grundstück an der Nürnberger Straße und erhielt im Austausch dafür das Gelände an der Karl-Zucker-Straße 18.
Aus den Rest des Verkaufspreises für das Anwesen an der Nürnberger Straße und einem erheblichen städtischen Zuschuß entstand das neue Rotkreuz-Haus in der Karl-Zucker-Straße, das am 30.9.1967 feierlich in Betrieb genommen werden konnte. Mit dem neuen Gebäude hatte das Rote Kreuz endlich den notwendigen Platz, um seine Arbeit richtig ausführen zu können. Vor allem in ausreichender Zahl Garagenplätze, eine moderne Werkstatt sowie die notwendigen Aufenthalts- und Schulungsräume wurden geschaffen.
Bei der Einweihung dieses Hauses ging man davon aus, daß es für die Rotkreuzarbeit in diesem Jahrhundert ausreichend Platz bieten werde. Niemand konnte zu diesem Zeitpunkt ahnen, daß der bis dahin schon bestehende und dem Bund bzw. den Landkreisen und Städten direkt unterstellte Luftschutzhilfsdienst wenige Jahre später aufgelöst und den jeweiligen Fachorganisationen, also auch dem Roten Kreuz zugegliedert werden sollte. Mit der Übernahme dieser Einheit nahm der Fuhrpark rapide zu. Erste, neue Platzprobleme begannen sich abzuzeichnen. Im Jahre 1972 kam dann die Gebietsreform hinzu. Die bis dahin selbständige Kreisverbände des Roten Kreuzes Höchstadt und Erlangen wurden aufgelöst, die neue und heute noch vorhandene Form des Rotkreuz-Kreisverbandes Erlangen-Höchstadt wurde geschaffen. Der Fuhrpark für den Bereich des Rettungsdienstes nahm, um seine Aufgabe und der Versorgung der Bevölkerung gerecht zu werden, immer mehr zu. Waren es nach dem Krieg nur 4 Krankenwagen, so standen 1974, als das Bayerische Rettungsdienstgesetz in Kraft trat, bereits 26 Rettungs- und Krankenwagen im Dienst. Nach schwierigen Verhandlungen wird am 15.4.1974 ein Abkommen zwischen dem Arbeiter Samariter Bund und dem Bayerischen Roten Kreuz Erlangen-Höchstadt über die Regelung der Zusammenarbeit im Rettungsdienst und Krankentransport geschlossen. Aus diesem Abkommen heraus entstand die erste gemeinsame Rettungswache zwischen verschiedenen Organisationen in Bayern. Diese Regelung wurde damals als landesweit beispielhaft gewürdigt. Noch heute fahren ASB und BRK in Herzogenaurach gemeinsam.
Mitte der 70er Jahre nahm dann die soziale Arbeit im Roten Kreuz stark zu. War bis dahin der Rettungsdienst im Vordergrund gestanden, trat nunmehr die zweite satzungsgemäßen Aufgabe, nämlich die des Wohlfahrtsverbandes, an diese Stelle. Es wurden in Stadt und Landkreis Altenclubs und Altentagesstätten eingerichtet, die Psychosoziale Krebsnachsorge aufgebaut und am 12.5.1977 das Betreuungs- und Begegnungszentrum Dreyzedern vom Roten Kreuz übernommen. Diese Einrichtung mußte im April 1982 vom Roten Kreuz wegen des enormen jährlichen Zuschußbedarfes aufgegeben werden. Eine Erhöhung der kommunalen Zuschüsse für diese Einrichtung war nicht zu erreichen. So blieb dem Roten Kreuz, um seinen Gesamtbestand finanziell nicht zu gefährden, keine andere Wahl, als diese Einrichtung aufzugeben.
Im August 1977 wurde auf Wunsch unseres Oberbürgermeisters Dr. Hahlweg im Bereich der Stadt Erlangen ein Spezialbeförderungsdienst für Körperbehinderte vom Roten Kreuz eingerichtet. Dieser Dienst konnte im Laufe der Zeit auch den Bewohnern des Landkreises Erlangen-Höchstadt angeboten werden. Aber auch der Vorsorge der Bevölkerung für Großunfälle und Katastrophen wurde immer mehr Augenmerk geschenkt. So wurden ab 1973 kontinuierlich die Fach-dienste der Sanitätskolonnen mit neuem Material ausgerüstet. In unermüdlicher Arbeit stellten die ehrenamtlichen Helfer der Sanitätskolonnen sich Spezialfahrzeuge für den Nachrichtendienst, Notstromaggregate und andere Spezialfahrzeuge zusammen.
Am 8.6.1983 beschloß der Vorstand des Kreisverbandes, um den dringenden Bedarf an Altenheim- und Pflegeplätzen im Landkreis Abhilfe zu schaffen, ein Alten- und Pflegeheim mit 84 Pflegeplätzen, 49 Altenheimplätzen, davon 4 rollstuhlgerecht, 2 Personalwohnungen und 9 Appartements in Höchstadt zu errichten. Am 11.11.1983 konnte in Höchstadt ein Grundstück für dieses Projekt aus dem zweckgebundenen Nachlaß, den die am 21.6.1970 in Erlangen verstorbene Stiftsdame Johanna Hurth dem Roten Kreuz überließ, erworben werden. Diese dringend notwendige Einrichtung wird im kommenden Jahr seinen Betrieb aufnehmen können. Aber auch anderenorts hat sich in den letzten Jahren räumlich die Situation für das BRK erheblich verbessert. 1983 konnte das Rotkreuz-Haus in Höchstadt um einen Garagentrakt mit Schulungsräumen erweitert werden. Dieses Bauwerk ist im wesentlichen durch den damaligen Schatzmeister, Sparkassendirektor a.D. Kaspar Badum, ermöglicht worden. Er war es, der in unermüdlicher Arbeit für dieses Bauvorhaben "betteln" ging.
Dank der Unterstützung des Landkreises Erlangen-Höchstadt und der Marktgemeinde Eckental war es möglich im Juni 1986 in Eschenau neue Rotkreuz-Räumlichkeiten in Betrieb zu nehmen. Die ehemalige Hopfensiegelhalle, die bis dahin als Feuerwehrgerätehaus diente, wurde in tausenden von ehrenamtlichen Arbeitsstunden zu einem zweckmäßigen und zeitgemäßen Rotkreuzstützpunkt umgebaut. Dank der Initiative des Landkreises Erlangen-Höchstadt und der Stadt Herzogenaurach konnte 1986 mit dem Bau eines neuen Rotkreuz-Hauses und einer gemeinsamen Rettungswache für ASB und BRK begonnen werden. Am 25. April 1987 wurden diese Rotkreuz-Einrichtungen feierlich eingeweiht. Damit ist auch für den Raum Herzogenaurach die Möglichkeit einer kontinuierlichen Arbeit sowie der Fortführung der Rotkreuztätigkeit gewährleistet. 1986 gewährte die Stadt Erlangen dem BRK die Zuschüsse, die nötig waren, um neben dem Erwerb eines geeigneten Grundstückes in Frauenaurach ein Katastrophenschutz-Depot zu errichten. Es wird im Mai diesen Jahres seiner Bestimmung übergeben.
Im ehemaligen Bezirk Höchstadt wird das Rote Kreuz 1890 erstmals urkundlich erwähnt. Die Aufstellungen über die Mitglieder der damaligen Frauenvereine und des Landeshilfsvereines des Roten Kreuzes liegen vor. Auch während des Nationalsozialistischen Regimes und während des 2. Weltkrieges bestand in Höchstadt eine Rot-Kreuz-Arbeit, die nach den damaligen Gegebenheiten organisiert war. Nach dem 2. Weltkrieg scharten sieh einige wenige Helfer wieder zusammen, um erneut unter dem Zeichen des Roten Kreuzes für den Nächsten zu wirken. Im Landratsamt Höchstadt wurde ein Büro, das zur Verfügung gestellt wurde, eingerichtet. Ein Krankenwagen wurde für Höchstadt und Herzogenaurach gekauft, um die anfallenden Krankentransporte durchzuführen. Unmittelbar nach dem Kriege wurde ein Geschäftsführer und ein hauptamtlicher Fahrer eingestellt. Der 1. Geschäftsführer nach dem Kriege war Herr Liebs. Zum Kolonnenführer wurde Herr Schalausky gewählt. Wie überall war die Ausrüstung nach dem Kriege sehr schlecht. Dies änderte sich erst im Laufe der beginnenden 50er Jahre. in dieser Zeit wuchs die Zahl der Mitglieder.
Im Jahr 1959 wechselte Kreisgeschäftsführer Liebs zum Kreisverband Forchheim. An seine Stelle trat Herr Paul Stühlein. Die Dienststelle befand sich zu dieser Zeit in einem kleinen Haus in der Steinwegstraße Nr.18 bei der Familie Mönius. Das Rote Kreuz verfügte damals über einen Büroraum, ein kleines Materiallager und einen kleinen Versammlungsraum sowie über eine Garage, in der gerade ein VW-Bus Platz hatte. Als Herr Stühlein die Geschäfte übernahm, war Herr Landrat Dr. Daßler 1. Vorsitzender des Kreisverbandes Höchstadt. Der Kreisverband Höchstadt verfügte in Höchstadt und Herzogenaurach über je eine Sanitätskolonne, Frauenbereitschaft, Wasserwachtortsgruppe und Jugendrotkreuz-Gruppe. Es war dem armen Kreisverband nicht immer leicht, alle Wünsche der beiden Standorte zu erfüllen.
In Höchstadt war der Geschäftsführer zugleich auch erster Fahrer des Krankenkraftwagens. In Herzogenaurach wurde Herr Haid als erster Krankenwagenfahrer eingestellt. In seinem Haus war auch das Fahrzeug untergestellt. Die Transporte wurden von der Wohnung aus durchgeführt. Die Rotkreuz-Arbeit nahm immer mehr zu und die bisher zur Verfügung stehenden Räume wurden zu klein. Bei der Raumsuche kam die Stadt Höchstadt mit Herrn Bürgermeister Schell zu Hilfe und bot eine Unterstellmöglichkeit für den Krankenwagen, Büro- und Lagerräume im ehemaligen Finanzamt am Marktplatz an. Dort zog das Rote Kreuz ein und verfügte nun auch über einen größeren Unterrichtsraum.
In den folgenden Jahren entwickelte sich die Rotkreuz-Arbeit stetig aufwärts. Ein 2. Krankenkraftwagen mußte angeschafft werden. Das Geld hierfür kam hauptsächlich aus den Einnahmen der Glückshafenausspielung- die Losbude war auf allen Kirchweihen eingesetzt - aus Spenden der Bevölkerung sowie den Sammlungen und den Fördermitgliederbeiträgen.
Im Jahre 1966 wurde vom Vorstand des BRK-Kreisverbandes Höchstadt beschlossen, ein eigenes Rotkreuz-Haus zu erbauen. Das Grundstück an der St. -Georg-Str. 38 wurde erworben und die Planung für einen Neubau begann. Die Hauptdurchführenden dieses Neubaues waren der Geschäftsführer und der Kreiskolonnenführer Schalausky. Die Planung leitete Herr Kreisbaumeister Robisch. 1967 wurde mit dem Bau begonnen. Das Haus konnte im Mai 1968 eingeweiht werden. Zusammen mit der Hauseinweihung fand auch die Fahnenweihe der Sanitätskolonne Höchstadt statt. Die Finanzierung des Hausbaues war nur durch Spenden der Bevölkerung, Gemeinden und den Baufirmen möglich. Mit dem Bezug des neuen Rotkreuz-Hauses bekam die Rot-Kreuz-Arbeit spontan weiteren Auftrieb. 1969 besaß der Kreisverband dann bereits 4 Krankenwagen, Katastrophenschutzanhänger und Ausrüstung.
Kurz nach dem Bezug des Hauses mußte bereits ein Erweiterungsbau in Form einer Waschhalle und 1970 ein zusätzlicher Unterstellraum angebaut werden. Die weitere Planung des Kreisverbandes Höchstadt richtete sich nun nach Herzogenaurach. Auch dort wollte der Kreisverband ein Rot-Kreuz-Haus errichten. Dieser Plan konnte jedoch nicht mehr verwirklicht werden, da die Gebietsreform den Landkreis Höchstadt 1972 mit dem Landkreis Erlangen verschmolz und daraus der neue Landkreis Erlangen-Höchstadt entstand. Der bis dahin selbständige Kreisverband Höchstadt wurde mit dem Erlanger BRK-Kreisverband zusammengelegt. Im Jahre 1983 wurde dann nochmals das bestehende Rotkreuz-Haus in Höchstadt um einen großen Garagentrakt sowie zwei Unterrichtsräume erweitert. Dies war notwendig geworden, um die stark gewachsenen Aufgaben auch in Zukunft durchführen zu können.
Im Jahr 1983 erwarb das Rote Kreuz in Höchstadt im Ortsteil Etzelskirchen ein rund 21000 qm großes Grundstück, um darauf ein Alten- und Pflegeheim zu errichten. Seit 1984 ist das Pflegeheim in Betrieb und hat sich durch die hohe Qualität seiner Arbeit einen hervorragenden Ruf geschaffen. Die stete Nachfrage nach freien Plätzen ist hierfür der beste Beweis.
Das anhaltende Wachstum des Kreisverbandes machte längst einen Neubau in Erlangen erforderlich. In der Karl-Zucker-Str.18 war dies allein aus Gründen der gegebenen Fläche nicht möglich. Nach langen Jahren der Grundstückssuche wurden 2003 die Arbeiten für ein neues Kreisverbandsgebäude in der Henri-Dunant-Str.4 im Stadtteil Bruck aufgenommen. Nach einem ersten Bauabschnitt konnte 2004 bereits die Rettungswache am neuen Standort in Betrieb gehen. 2005 wurde auch das Verwaltungsgebäude neu bezogen und damit der alte Standort in der Karl-Zucker-Straße 18 gänzlich aufgegeben. Der komplette Sozialbereich (Sozialstation, Hausnotruf, Menüservice, das Seniorenbüro und das SeniorenNetz), der wegen Platznot im alten Haus bereits 1995 in die Mozartstraße 57 ausgelagert werden musste, ist auf diesem Wege wieder unter das gemeinsame Dach zurückgekehrt. Damit startet der Kreisverband am Standort Erlangen in eine neue Ära.
Jürgen Üblacker